
Ein Beitrag zum Thema Patriotismus in Deutschland von Gastblogger Kurt Tucholsky. Erstmals erschienen in dem Buch “Deutschland, Deutschland über alles” (Berlin 1929).
Nun haben wir auf vielen Seiten Nein gesagt, Nein aus Mitleid und Nein aus Liebe, Nein aus Haß und Nein aus Leidenschaft – und nun wollen wir auch einmal Ja sagen. Ja –: zu der Landschaft und zu dem Land Deutschland.
Dem Land, in dem wir geboren sind und dessen Sprache wir sprechen.
Der Staat schere sich fort, wenn wir unsere Heimat lieben. Warum grade sie – warum nicht eins von den andern Ländern –? Es gibt so schöne.
Ja, aber unser Herz spricht dort nicht. Und wenn es spricht, dann in einer andern Sprache – wir sagen ›Sie‹ zum Boden; wir bewundern ihn, wir schätzen ihn – aber es ist nicht das.

Endlich: Die Deutschen haben ihren Patriotismus wieder! Eine Umfrage der “Identity Foundation” zum Nationalgefühl hat ergeben, dass 60 Prozent der Deutschen stolz sind, Deutsche zu sein. Super, es hat nur etwas mehr als 60 Jahre gedauert, dass die Patrioten wieder in der Mehrheit sind. 78 Prozent der Bürger würden sich wieder für die deutsche Staatsangehörigkeit entscheiden, wenn sie in Europa frei wählen könnten. 68 Prozent meinen sogar, “dass trotz aller Unterschiede Ost und West zusammengehören”. Hurra, wir müssen uns für (Ur-)Opas Taten nicht mehr schämen, dürfen wieder guten Gewissens das Deutschlandlied anstimmen und die schwarz-rot-goldenen Flaggen raushängen – auch, wenn nicht gerade die Deutsche Fußballnationalmannschaft spielt. Endlich: Die Optimismus-Kampagne “Du bist Deutschland” von 2005 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zahlen sich aus.