Von wegen Buchstadt!
Freitag, 24. April 2009, 15:29
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Verramschte Bücher

Was Frankfurt nicht alles ist! Kulturstadt, Goethestadt, Theaterstadt etc. Zur Buchmesse ist Frankfurt wieder Buchstadt – zum Welttag des Buches ist es aber mit dieser nicht weit her. Gerade mal fünf Veranstaltungen hat es gegeben. Eine Leseaktion von Schülern in einer U-Bahn, dann eine in einer Postkutsche des Museums für Kommunikation, eine Kinderbuchhandlung in der Glauburgstraße hat einen Workshop angeboten, aber mehr war in Sachen Buchtag nicht los. Keine andere Buchhandlung oder das Literaturhaus haben sich mit einer Lesung oder ähnlichem an der Aktion beteiligt. In den Buchhandlungen konnten Schüler höchstens ihre Gutscheine für das Aktionsbuch “Ich schenk dir eine Geschichte” einlösen, aber das können sie in jedem Jahr. Bis auf eine Veranstaltung zum Thema “Albert Schweitzer als Schriftsteller” in der zentralen Stadtbibliothek gingen die erwachsenen Leser leer aus. Die Veranstaltungskalender erwecken den Eindruck, als hätte man gezielt am 23. April vorbei geplant.

Ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, einer der Mitorganisatoren des Welttags des Buches, und eine Reihe von Verlagen ihren Sitz in Frankfurt haben. Selbst die traditionelle Eröffnungsveranstaltung in der Alten Oper, bei der prominente Leser ihre Lieblingslektüre vorstellen (Stichwort “Leseköpfe”), fiel in diesem Jahr aus. “Wir wollten den Buchhandel ins Zentrum rücken und haben dafür Aktionspakete zusammengestellt”, heißt die Erklärung von Börsenverein. Mit anderen Worten: Im Mittelpunkt steht das Produkt Buch, nicht die Kunst und schon gar nicht das Lesevergnügen oder der Leser. Dabei wird vergessen, dass man Buchhandlungen am besten unterstützt, indem man neue Leser wirbt. Nächstes Jahr will man die Leseköpfe vielleicht wieder neu auflegen. Mal sehen, was daraus wird.

Lobenswert war der Tag der Offenen Tür im Instituto Cervantes. Das spanische Kulturzentrum hat Kindern die Legende von Sankt Georg und ein paar Passagen aus “Don Quijote” nahe gebracht. Beide, der Heilige und der Dichter, werden in Katalonien am 23. April geehrt. In Barcelona pflegt man sich an diesem Tag Rosen und Bücher zu schenken. Die Stadt macht vor, was in Deutschland fehlt: Ein Tag der Bücher, der als solcher auch gebührend gefeiert und gelebt wird.

Zugegeben: An Lesungen mangelt es in Frankfurt nicht. Aber warum dann nicht unter dem werbewirksamen Label eines internationalen Aktionstages?