
Drei Ausflüge in das Umland von Rom: Ein Tag am Strand, ein Tag am See, ein Tag zu den Villen von Tivoli.
Nach vier Tagen voller Kulturprogramm nahmen wir eine kleine Auszeit, um über den Rand von Rom hinauszuschauen. Zur Erholung fuhren wir zunächst nach Lido di Roma, einem kleinen Ort an der Küste. Hier mussten wir zu unserem Verdruss feststellen, dass der Strand zwar für alle war, jedoch vor allem für alle, die für ihn bezahlten. Vor so gut wie jedes Stückchen Sand am Meer waren Zäune aufgebaut und Gebäude mit Umzugskabinen, Duschen und Restaurants. Der Eintritt betrug zehn Euro, dazu gab es einen Sonnenschirm und/oder einen Liegestuhl. Wir weigerten uns, für etwas zu bezahlen, dass eigentlich kostenlos sein müsste und liefen die Promenade nach einer Lücke ab, die uns auch ohne Eintritt mit dem Meer in Berührung kommen ließ. Nach einiger Zeit wurden wir fündig, legten ein Handtuch in den Sand, wagten uns einmal sogar ins Wasser vor. Was soll man dazu noch sagen? Mir wurde wieder klar, warum ich auf Kultururlaub war und nicht einen Strandurlaub gewählt hatte: Das Meer ist salzig, es stinkt, es ist langweilig und am Strand zu liegen ist es auch. Wir holten uns einen Sonnenbrand und fuhren am Nachmittag wieder zum Campingplatz zurück.
Interessanter wurde es an unserem zweiten Tag außerhalb der Stadt: In Castel Gandolfo besuchten wir das Außenterritorium des Vatikans, das heißt wir liefen an dessen langer Mauer entlang und anschließend halb um den Albano-See herum. Unsere Wanderung führte uns von dem Örtchen Albano über Castel Gandolfo, runter zum See und bis nach Marino, wohin wir erst am frühen Abend nach einem langen Marsch gelangten. Man merkte den Orten an, dass trotz des herrlichen Wetters die Saison für dieses Jahr vorbei war. Am See war es fast wie ausgestorben. Im Gegensatz zum Vortag konnten wir uns bei dieser Tagestour richtig austoben und waren todmüde, als wir am Campingplatz ankamen.
In Tivoli, einer kleinen Stadt östlich von Rom, kam wieder die Kultur ins Spiel. Hier sind drei ganz unterschiedliche Villen zu sehen: die Villa d’Este, die Villa Gregoriana und die Villa Adriana. Während die Villa Gregoriana nicht viel mehr ist als eine Parkanlage mit Ruinen in einem Tal, zeigt sich in der Villa d’Este die ganze Dekadenz der Renaissance. Das Gebäude selbst ist nicht besonders spektakulär: Ein paar ausgemalte Räume, ein paar Bilder. Die Aussicht jedoch ist ganz schön und erst recht weiß man, wofür man zehn Euro Eintritt zahlt, wenn man sich in den Garten begibt. Hier plätschern zig Brunnen in zig Variationen.



Vier Busstationen von der Innenstadt entfernt liegt die Villa Adriana, das Anwesen Kaiser Hadrians. Das Prädikat “Weltkulturerbe” wird seinem Namen gerecht. Auf einem riesigen Gelände (40 Hektar!), das fast größer scheint als das Forum Romanum, erstreckt sich ein Komplex von Ruinen, die nur erahnen lassen, wie gewaltig einmal diese “Villa” gewesen sein muss. Thermen, Bibliothek, Gästehäuser, Arena, Palast – all das im großen Stil. Ein Weg führt durch einen Olivenhain auf das Gelände, wo man auf eigene Faust die Ruinen erkunden kann. Kaiser Hadrian ließ sogar einen Kanal in Ägypten nachbauen, von dem noch heute Säulen und Skulpturen um ein Wasserbecken angeordnet sind. Ein Modell rekonstruiert, wie die Residenz einmal ausgesehen haben mag. Wir liefen die Villa Adriana ab, als sich schon die Sonne dem Abend zuneigte, was ein besonders schönes, warmes, gelbes Licht auf die Ruinen warf. Mit uns besuchten nur wenige Touristen die Villa, was die ruhige Stimmung fast schon idyllisch werden ließ. Das ist Arkadien: Melancholie über das Vergangene und die Harmonie der Gegenwart. Ein Eindruck, der bleibt.




