ROM – Ein Reisebericht (Teil 6)
Montag, 28. September 2009, 19:08
Abgelegt unter: reise | Tags: , , ,

Essen in Rom. Foto von Franziska Mader

Statt Kultur: In der heutigen Episode steht ein kleiner Exkurs über das Essen in Rom an. Nach mehreren Restaurants und Schnellimbissen fällt die Bilanz mager aus: Italienisch isst man wohl besser in Deutschland.

Wie schön, wenn bei Aldi wieder Italien-Woche ist! Über das normale Angebot hinaus gibt es dort Spezialitäten wie Salami, Antipasti und andere Köstlichkeiten wie Pizza und Pasta, die das Gefühl wecken sollen, man könne sich auch hier, in Deutschland, einen Hauch von “La Dolce Vita” (oder dem, was man darunter versteht) nach Hause holen. Das mag naiv, vielleicht sogar armselig erscheinen, wenn man weiß, welche kulinarischen Genüsse tatsächlich in Italien zu finden sind. Doch auf der Suche nach gutem italienischen Essen mussten wir leider feststellen, dass wir in Deutschland besser italienisch gegessen haben, als in Italien.

Zum Frühstück und zum Abendessen stellten wir uns meistens etwas aus dem Sortiment des Supermarktes am Camingplatz zusammen. Gerne aßen wir Brötchen mit Salami am Stück oder geräuchertem Schinken. Die Brötchen ließen sehr zu wünschen übrig. Entweder waren sie knochenhart (obwohl sie “frisch” waren) oder zäh. Dafür schmeckte die Salami meistens gut. Wir probierten einige günstige Sorten aus und mit Ausnahme einiger Qualitätsunterschiede war die Wurst gut bis köstlich. Abends machten wir uns einen Salat mit Olivenöl und Balsamico-Essig, dazu Oliven und eigelegte getrocknete Tomaten. Auch hier kann man nicht viel falsch machen. Die frischen Tomaten schmeckten um einiges besser als die in deutschen Supermärkten. Überhaupt haben es die Italiener mit den Tomaten: Im Supermarkt kann man aus einem ganzen Regal voller Tomatenvariationen auswählen. Ebenso groß ist das Nudel-Sortiment.

Nudeln mit Tomatensauce – ein Klassiker, auch in den Restaurants. In einem Lokal auf der Piazza Navona war das Hähnchen mit Nudeln und Paprika in Tomaten ertränkt. Auf das fade Mahl folgten wenigstens auch keine Überraschungen auf der Rechnung. In einem anderen Restaurant, wo wir passable Pizza und Pasta aßen, berappte man fünf Euro für eine Dose Cola. Hinzu kam noch, dass der Kellner uns deutlich spüren ließ, wie wenig Lust er eigentlich hatte, uns zu bedienen.

Freundlich ging es hingegen in einer kleinen Trattoria zu, die wir auf Empfehlung des Reiseführers aufsuchten. Hinter einer mit weißen Gardinen verhangenen Tür standen ein paar Tische etwas beengt in einem rechteckigen Raum. Nur an einem saßen zwei Gäste. Ein alter Mann bat uns hinein und ließ uns Platz nehmen, wo wir wollten, statt uns – wie sonst üblich – einen Tisch anzuweisen. Die Karte war ein schlichter mit Hand beschriebener Zettel. Der alte Mann, der Inhaber und Kellner in einem war, fragte uns, ob wir Italienisch sprächen. Als wir verneinten, listete er ein paar Schlagworte von der Karte auf: Fettuchine, Gnocchi, Ravioli etc. Wir bestellten Gnocchi und Raviloli, weil uns die Begriffe etwas sagten, weil die Gerichte günstig waren (acht Euro) und weil wir glaubten, damit das geringste Risiko einzugehen. Der Greis rief einer deutlich jüngeren Frau die Bestellung zu, die uns zunächst Brot und Wasser hinstellte. Wir zögerten, weil wir wussten, dass die Restaurants in Rom häufig horrende Summen für diese Serviceleistung verlangten, die aussahen, als seien sie nette Gesten. Doch die Atmosphäre wirkte gar nicht, als seien die Menschen auf Abzocke aus. Also langten wir zu. Unsere Gerichte fielen so einfach aus, wie es nur ging: Die Ravioli und die Gnocchi waren mit Tomatensauce übergossen und mit viel Parmesan versehen. Von der Spinatfüllung der Ravioli mit Spinat war nicht viel zu schmecken. Das Essen war langweilig, es fehlten die Würze, das Fleisch, das Gemüse. Naja, zumindest war die Bedienung nett und Brot und Wasser wurden uns mit nur einem Euro berechnet. Das ist fair.

Am besten haben wir in einer Trattoria in Castel Gandolfo (außerhalb Roms) gegessen. Ein Touristenmenü für zwölf Euro pro Kopf enthielt einen Teller Pasta nach Wahl (aber immer mit Tomatensauce), ein Hauptgericht mit Beilage und einen halben Liter Wasser. Wir nahmen das Hähnchen mit Salat, es war schlicht, aber lecker, das Hähnchen mit Kräutern statt mit Tomaten.

Dolci. Foto von Franziska Mader

Das miserabelste Essen servierte man uns in der Kantine der Vatikanischen Museen. Ein mickriges Häufchen Pasta mit Sauce für völlig überzogene fünf Euro war lauwarm und schmeckte nach nichts, bei einem Stück Pizza mit Schinken für drei Euro hatte man sich die Tomatensauce ganz gespart und demnach trocken und nichtssagend war auch der Teig mit Belag. Eine ganz schwache Leistung. Hoffentlich bekommt der Papst etwas besseres aufgetischt.

Ebenfalls ohne die für die Italiener sonst unentbehrlichen Tomaten haben wir ein Stück Pizza in der Nähe des Trevi-Brunnens gegessen. Die Thunfisch-Pizza im Restaurant des Camping-Platzes war sparsam belegt und lauwarm. Die mit Abstand besten Pizzen aßen wir in einer Tavola Calda (Schnellimbiss) auf der Via Vittorio Emanuele II und am Termini (Hauptbahnhof): Gut, günstig, freundliche Bedienung. So soll es sein.

Antico Caffe Greco. Foto von Lukas Gedziorowski

Eines Tages wollten wir uns nach dem Essen einen Kaffee, bzw. Tee, gönnen. Im Reiseführer empfahl man uns das Antico Caffe Greco an der Spanischen Treppe. In diesem alten, traditionsreichen Café sollen schon Goethe und Nietzsche gesessen haben, also suchten auch wir das Lokal auf. Die noble Aufmachung ließ das Café teurer aussehen als es war: Die Preisliste bot Kaffee und Tee ausgesprochen günstig an. Also gingen wir an der Theke im Eingangsbereich vorbei und setzten uns an einen Tisch. Doch als wir uns die Karte ansahen, bekamen wir einen Schreck und begriffen plötzlich, warum kaum jemand an den Tischen saß und die meisten ihren Kaffee stehend an der Theke tranken. Auf der Karte kosteten die Getränke ganze sieben Euro! Service hat eben einen hohen Preis. Sofort sprangen wir auf und bestellten auch an der Theke. Der Kaffee war gut, der Tee war ein viel zu süßer Eis-Tee, aber zumindest hausgemacht.

Zum Nachtisch kann man entweder auf das süße Gebäck (”Dolci”) zurückgreifen oder auf das gute Eis (”Gelato”). Die kleinen Kuchen, die ich probiert habe, schmeckten alle einfach nur süß: Ob mit Äpfeln, Vanillecreme oder Marmelade, keines davon hat mich überzeugt. Das Eis hingegen war außerordentlich und wurde den Erwartungen gerecht. Die “Gelateria Della Palma. Gelato di Roma” (Via della Maddalena 20, am Pantheon) bietet mehr als 100 verschiedene Sorten an. Zwei Geschmacksrichtungen kosten zwei Euro. Ich habe Amarena und Schwarzwälder Kirsch probiert – extrem süß und extrem köstlich! Das Eis war so gut, dass ich vor Begeisterung sogar vergessen habe, ein Foto von den übervollen Kübeln zu machen. Aber was können schon Fotos über Freuden des Gaumens sagen?

Nächstens mehr.