
Polnische Filme sieht man in deutschen Kinos leider selten. Nun hat es ein Kleinod über die westliche Grenze geschafft – zwei Jahre später, aber immerhin. “Kleine Tricks” (”Sztuczki”) heißt der Film von Andrzej Jakimowski und ist selbst so bescheiden wie sein Titel. Doch diese kleinen Tricks haben eine große Wirkung.
Der Held ist ein Schelm. Doch er hat keine Flausen im Kopf, vielmehr ist er ein ahnungsloser, naiver Schuljunge, der mit seinem Idealismus an der Gesellschaft aneckt. Der kleine Stefek lebt in einer polnischen Kleinstadt, die so aussieht, als hätte man nach dem Zweiten Weltkrieg nur die Trümmer weggeräumt. Er wohnt zusammen mit seiner Mutter, die einen kleinen Laden betreibt und seiner älteren Schwester, die Italienisch lernt, um eine Stelle zu bekommen. In dieser Umgebung sucht sich der Einzelgänger Stefek seine Nischen. Nachdenklich spaziert er gerne auf den Gleisen herum, stellt Zinnsoldaten zwischen den Schienen auf und wartet darauf was passiert, wenn der Zug darüber hinweg fährt. Stefek versucht, Zuchttauben mit einem Fingerschnippen zum Fliegen zu bringen, er philosophiert über das Glück und das Schicksal. Dann taucht plötzlich ein Mann am Bahnsteig auf, der seinem fortgelaufenem Vater sehr ähnlich sieht und der kleine Schelm geht der Sache auf den Grund.
Viel mehr passiert nicht in “Kleine Tricks”. Und mehr muss auch nicht passieren. Der Film lebt von seinen Bildern und den Einstellungen, in denen nicht gesprochen wird. Lebensnah führt er den Alltag von einfachen Menschen vor, ohne soziale Missstände anzuprangern oder sich darüber lustig zu machen. Das Familiendrama spielt sich im Inneren der Figuren ab, sie tragen ihre Konflikte nicht nach Außen. Der Held ist ein Schelm, weil er witzig ist – witzig im ursprünglichen Sinn: Gewitzt und daher komisch in den Situationen, die er verursacht. “Kleine Tricks” ist ein ruhiger Film, der sich Zeit lässt für das Nebensächliche und damit trifft er stets die Hauptsache.
Fazit: Ein schöner Film zum Wohlfühlen. Eine Einladung zum polnischen Kino.

Ja, das kann ich bestätigen: sehr feiner Film!