Krallen zeigen
Donnerstag, 30. April 2009, 11:44
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Krallen zeigen: Wolverine

Wenn Filmemachern nichts neues mehr einfällt, dann gilt das Prinzip “von vorn”. Ob Star Wars, Star Trek, Hannibal oder bald “Der Kleine Hobbit” – statt einer Fortsetzung erzählt man die “Vorgeschichte”. Natürlich: Denn wer kann schon die ganzen Verwicklungen von Herr der Ringe oder die psychologischen Hintergründe von Hannibal verstehen, wenn er nicht die Vorgeschichte kennt? So folgt nach der X-Men-Trilogie nicht etwa “X-Men 4″, sondern “X-Men Origins”, und der Plural verrät, dass man auch hier mit einer Fortsetzungsreihe zu rechnen hat. Den Anfang dieser Ursprungsserie macht Wolverine – der sperrigste, geheimnisvollste und damit interessanteste Charakter der X-Men. Doch dieses Prequel zieht das Problem mit sich, dass Wolverine seine Geheimnisse einbüßt und folglich langweilig wird.

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Neues aus der Heimat
Montag, 27. April 2009, 19:05
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News From Home

17 Uhr, Willy-Brandt-Platz. Ein junger Mann mit dunkler Haut und einer neogelben Weste sitzt auf einer steinernen Bank. “News from Home” steht auf der Weste. Neben ihm liegt ein Stapel Zeitungen. Die fremde Schrift gibt nur zu verstehen, dass die Zeitung von weit her kommt. Der Mann, der sie verkauft, heißt Delan. Zwanzig Jahre ist es her, seit er aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen ist – als Flüchtling. Nun sitzt er hier als Freiwilliger bei der Kunst-Performance von “Playing The City” und versucht Ausgaben einer Zeitung aus seiner alten Heimat für 2,50 Euro an den Mann zu bringen. “Ich habe heute noch keine einzige Zeitung verkauft,” sagt er in akzentfreiem Deutsch. Er selbst kann die Schrift der Zeitung nicht lesen. Delan glaubt nicht, dass er heute noch eine Ausgabe verkauft bekommt, bezahlt wird er für das Warten auf Kundschaft auch nicht. Delan sitzt hier für die Kunst – um die Ideen anderer zu verwirklichen. “Ich helfe, wo ich kann.” Vielleicht kommt noch jemand in den nächsten zwei Tagen. Hoffentlich haben die anderen Zeitungsverkäufer (Baseler Platz/Gutleustraße, Berliner Straße/Kurt-Schuhmacher-Straße, Mörfelder/Darmstädter Landstraße) heute mehr Glück gehabt.



Schirn on the Rocks
Samstag, 25. April 2009, 23:42
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schirn_fluids01

Was macht man mit einer Gießkanne, einem Bügeleisen, einer Säge und einem Haufen von Eisquadern? Zum Beispiel die Schirn auf Eis legen. So begann die milde Nacht der Museen eisgekühlt am frühen Abend. “Schirn on the Rocks” lautete das Motto eines weiteren “Playing the City”-Happenings, bei dem ein zwölfköpfiges Team im Hof der Kunsthalle die Eisblöcke zu einer Skulptur aufstellte. Die Idee geht zurück auf Allan Kaprow, der die Aktion bereits 1967 unter dem Titel “Fluids” inszeniert hat. Besonders spektakulär war die U-förmige Wand zwar nicht, sah aber trotzdem ziemlich cool aus. Und außerdem zählt das Ereignis, denn etwas derartiges passiert nicht alle Tage. Schön gemacht!

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Der Griff nach den Sternen
Freitag, 24. April 2009, 18:52
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Cezary Bodzianowski

Ein Nachmittag in Frankfurt. Ein Mann legt sich auf eine Parkbank am Willy-Brandt Platz. Abwechselnd fasst er sich an die Stirn und streckt senkrecht den Arm aus. Davor kauert eine Gruppe von fünf Leuten auf dem Pflaster, in der sich jeder eine Schablone aus Pappe vor sein Gesicht hält. Was ist hier los? Hier passiert gerade Kunst.

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Von wegen Buchstadt!
Freitag, 24. April 2009, 15:29
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Verramschte Bücher

Was Frankfurt nicht alles ist! Kulturstadt, Goethestadt, Theaterstadt etc. Zur Buchmesse ist Frankfurt wieder Buchstadt – zum Welttag des Buches ist es aber mit dieser nicht weit her. Gerade mal fünf Veranstaltungen hat es gegeben. Eine Leseaktion von Schülern in einer U-Bahn, dann eine in einer Postkutsche des Museums für Kommunikation, eine Kinderbuchhandlung in der Glauburgstraße hat einen Workshop angeboten, aber mehr war in Sachen Buchtag nicht los. Keine andere Buchhandlung oder das Literaturhaus haben sich mit einer Lesung oder ähnlichem an der Aktion beteiligt. In den Buchhandlungen konnten Schüler höchstens ihre Gutscheine für das Aktionsbuch “Ich schenk dir eine Geschichte” einlösen, aber das können sie in jedem Jahr. Bis auf eine Veranstaltung zum Thema “Albert Schweitzer als Schriftsteller” in der zentralen Stadtbibliothek gingen die erwachsenen Leser leer aus. Die Veranstaltungskalender erwecken den Eindruck, als hätte man gezielt am 23. April vorbei geplant.

Ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, einer der Mitorganisatoren des Welttags des Buches, und eine Reihe von Verlagen ihren Sitz in Frankfurt haben. Selbst die traditionelle Eröffnungsveranstaltung in der Alten Oper, bei der prominente Leser ihre Lieblingslektüre vorstellen (Stichwort “Leseköpfe”), fiel in diesem Jahr aus. “Wir wollten den Buchhandel ins Zentrum rücken und haben dafür Aktionspakete zusammengestellt”, heißt die Erklärung von Börsenverein. Mit anderen Worten: Im Mittelpunkt steht das Produkt Buch, nicht die Kunst und schon gar nicht das Lesevergnügen oder der Leser. Dabei wird vergessen, dass man Buchhandlungen am besten unterstützt, indem man neue Leser wirbt. Nächstes Jahr will man die Leseköpfe vielleicht wieder neu auflegen. Mal sehen, was daraus wird.

Lobenswert war der Tag der Offenen Tür im Instituto Cervantes. Das spanische Kulturzentrum hat Kindern die Legende von Sankt Georg und ein paar Passagen aus “Don Quijote” nahe gebracht. Beide, der Heilige und der Dichter, werden in Katalonien am 23. April geehrt. In Barcelona pflegt man sich an diesem Tag Rosen und Bücher zu schenken. Die Stadt macht vor, was in Deutschland fehlt: Ein Tag der Bücher, der als solcher auch gebührend gefeiert und gelebt wird.

Zugegeben: An Lesungen mangelt es in Frankfurt nicht. Aber warum dann nicht unter dem werbewirksamen Label eines internationalen Aktionstages?



Debatte um das House of Finance
Donnerstag, 23. April 2009, 15:34
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House of Finance

Noch nicht einmal ein Jahr lang steht das “House of Finance” auf dem Campus Westend. Schon lange bevor es fertig war, stand das Projekt zwischen Prestige und Pranger, spätestens seit der Randale im vergangenen November sind die Positionen verschärft. Gestern sollte eine Podiumsdiskussion im Casino auf dem Campus Westend darüber aufklären, was es mit dem HoF auf sich hat. Drei studentische Vertreter der Goethe-Universität Frankfurt diskutierten mit zwei Professoren des House of Finance über das umstrittenen Gebäude. Matthias Arning, Lokalchef der Frankfurter Rundschau, moderierte das Gespräch. Ein aufschlussreicher Abend.

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Frankfurt spielt die Stadt
Dienstag, 21. April 2009, 00:55
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Schirn Kunsthalle Frankfurt: Playing The City

Ein riesengroßes Etwas bläht sich auf. Es passt kaum unter den ‘Tisch’. Es ist weiß und rund – es ist Kunst. Das “Küchenmonument” der Berliner Architekten Raumlabor ist nichts weiter als ein Objekt aus aufgeblähter Plastikfolie. Gestern Abend bildete es an der Schirn Kunsthalle in Frankfurt den Auftakt zu einer Reihe von Kunst im städtischen Raum: “Playing the City” lautet das Motto, unter dem bis zum 6. Mai Aktionskunst vor allem jenseits der Ausstellungsräume stattfinden wird.

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Original und Fälschung
Sonntag, 19. April 2009, 10:11
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Plakat in Frankfurt

Neulich im Kino: Der “DaVinci-Code” ist noch angenehm in Erinnerung und nun läuft schon die Vorschau für den Nachfolger des Reißers, “Illuminati”, der am 13. Mai startet. Wieder einmal geht es um alles und der Film verspricht gute Unterhaltung. Vatikan-Verschwörungs-Thriller sind doch immer wieder spannend – und immer auf die gleiche Weise vorhersehbar ketzerisch. In der Buchhandlung kann man es am besten sehen: “Das Jesus-Testament”, “Das Magdalena-Evangelium”, “Das Evangelium nach Satan” – und wie sie alle heißen. Skandalös sind solche Titel schon lange nicht mehr, doch verkauft werden sie massenweise. Doch nun wird die Fiktion von der Realität eingeholt. Auf der Straße belehren großformatige Plakate die Passanten mit einer sensationellen Enthüllung: “Die Bibel ist gefälscht!”

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Struwwelpeter Reloaded
Samstag, 18. April 2009, 11:19
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Postkarte Heinrich-Hoffmann-Sommer

Zum 200. Geburtstag Heinrich Hoffmanns gibt es den Struwwelpeter mal anders: 12 Poskarten werben mit ziemlich schrägen Varianten der Gestalten aus dem Kinderbuch, das 1845 erstmals erschien, für den Hoffmann-Sommer in Frankfurt, der am 29. April startet. Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) haben die Reihe entworfen und bald schon sollen die Motive großformatige Plakate in Frankfurt zieren. Der Struwwelpeter tritt nackt auf und verschlingt seine überdimensionale Mähne, Paulinchens Katzen kotzen statt zu weinen, dem Daumenlutscher wachsen die Daumen zum Auge und Ohr hinaus, bei Hansguckindieluft vernkoten sich die Sehnerven zu einem Knäuel. Wie gesagt: Ziemlich abgefahren. Die Motive sind zwar Geschmackssache, aber immerhin ein Hingucker – und das ist auch der Sinn der Aktion.

Doch kaum hat man sich kreativ etwas aus dem Fenster gelehnt, gibt es wieder Protest. Die Motive der Postkarten erwecken Anstoß. So war in der FNP vom 16.4.2009 zu lesen:

Marion Herzog-Hoinkis, gemeinsam mit ihrem Mann Gründerin des «Struwwelpeter-Museums», spricht von «Unkultur» und hält die Aktion als Ehrung Hoffmanns in seiner Heimatstadt für «nicht geeignet». Die Serie sei zwar «als Experiment o. k.», leider aber «nicht sehr geistreich» und «eindeutig untauglich für Struwwelpeter-Liebhaber und Kinder»

Die Argumente sind alles andere als einleuchtend. Denn es ist höchst umstritten, ob der Struwwelpeter überhaupt für Kinder geeignet ist. Ein Buch, in dem Kinder auf alle erdenklichen Arten grausame Tode erleiden oder verstümmelt werden, scheint nicht gerade erbauliche Lektüre für zarte Gemüter zu sein. Aber so ist das nun mal mit Heinrich Hoffmanns Klassiker: Es ist ein Buch, das noch viele weitere Generationen spalten wird. Es bleibt abzuwarten, wie die Wissenschaft in ihrer Vorlesungsreihe an der Goethe-Uni das Thema neu aufarbeiten wird (ab 29.April). Die Werbeaktion der Stadt Frankfurt hat es geschafft, das Diskussionspotenzial des Struwwelpeters in die heutige Zeit zu übertragen. Wenn die Motive der Postkarten Anstoss erregen, dann haben sie ihren Zweck erfüllt.



Das Boot der Triebe
Freitag, 17. April 2009, 10:23
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radiorockrevolution

Piraten haben Konjunktur, auch wenn man in Europa auf sie nicht gerade gut zu sprechen ist. Doch jenseits von “Fluch der Karibik” oder des Fluchs vom Horn von Afrika gibt es auch eine liebenswerte Sorte von Piraten. Sie sind harmlos, sie legen gute Musik auf und sie sind zur Zeit im Kino zu sehen. Der Film “Radio Rock Revolution” von Richard Curtis lässt die Zeit der Piratensender in den 60er Jahren aufleben – und dabei zuzusehen macht einfach Spaß.

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