
Neulich an der Uni Frankfurt. Ein Plakat versucht mir etwas mitzuteilen: “Itso ktoma ke across” steht in großen Lettern untereinander. Was soll das? Ist das Japanisch? Offenbar geht es um die Uni-Wahlen, wie aus dem Kleingedruckten hervorgeht. Lange muss ich mich besinnen, was diese kryptische Aufschrift bedeutet. Dann wird es mir klar: “It’s Ok to make a cross” sollte es eigentlich heißen. Da ist wohl ein Designer etwas übereifrig gewesen, wenn man die Botschaft hinter dem Blickfang nicht versteht. Der alte Spruch “Geh wählen!” hätte es auch getan.
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“Deutschland denken heißt Auschwitz denken” stand im Dezember auf einem Transparent am Casino des Campus Westend. Was war da los? Bildungsstreik. Was hatte das miteinander zu tun? Nichts. Genausowenig wie das Anarchie-Symbol, das gleich daneben hing. Zu allem Überfluss wurde die Frankfurter Goethe-Universität in “Norbert-Wollheim-Universität” umbenannt, was die Erinnerung an den November 2008 weckte, als man das “House of Finance” für den Moment der Randale “Karl-Marx-Haus” umtaufte. Wie diese Aktionen endeten, ist bekannt: Mit Zerstörung und Gewalt. Diejenigen, die Bildung wollten, haben sich der Unkultur schuldig gemacht. Der “Bildungsstreik” ist gescheitert.

Heute hat ein neuer Laden auf der Frankfurter Fressgass eröffnet. Großer Ansturm, Gratis-T-Shirts, Absperrgitter. Was das für ein Laden war? Um es mit Forrest Gump zu sagen: “Irgendwas mit Obst…”
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Richard Reynolds ist ein Guerilla-Kämpfer. Nicht etwa im Sinne Che Guevaras: Reynolds kämpft nur im Großstadtdschungel und er tötet keine Menschen. Ganz im Gegenteil: Er schafft neues Leben. Aber er tut dies im Hinterhalt, versteckt, bei Nacht. Richard Reynolds ist Guerilla-Gärtner. Seit fünf Jahren macht er London unsicher, indem er brachliegende Plätze bepflanzt.
Reynolds, Jahrgang 1977, ist bei weitem nicht der erste seiner Art. Die Guerilla-Gardening-Bewegung stammt aus dem Jahr 1973. Damals haben einige New Yorker beschlossen, dass ihre krisengebeutelte Stadt schöner werden müsse. Also begannen sie, einige Brachen in Eigeninitiative zu Gärten umzugestalten. Das ist zwar ganz hübsch geworden und wurde eine Zeit lang geduldet, aber in den 80er Jahren, als die Stadt wieder an Ansehen zu gewinnen begann, plattgemacht. Seitdem kämpft die Bewegung weiter für die autonome Begrünung öffentlicher Plätze. Und sie expandiert in alle Welt.
Richard Reynolds ist der prominenteste der Kleinkrieggärtner. Nicht zuletzt durch seine Homepage guerrillagardening.org. Nun hat er ein Buch geschrieben: “Guerilla Gardening – Ein botanisches Manifest” (Orange Press, 20 Euro). Darin beschreibt er die Grundzüge der Bewegung und bietet ein Handbuch für alle, die beim Freigärtnern mitmachen möchten. Dabei zeigt sich, dass Guerilla-Gärtner sehr kreativ sind wenn es darum geht, fremde Flächen zu bepflanzen. Die einfachste und schnellste Methode ist, sogenannte “Seed-Bombs” zu werfen. Ein Häufchen Erde mit ein paar Samen darin reicht, um es an einem beliebigen Ort sprießen zu lassen. Friedlicher, ökologischer und nachhaltiger kann man sich den Guerilla-Kampf nicht vorstellen. Erobert wird die Stadt, der öffentliche Raum, ganz ohne Sitzblockaden, Krawall und Randale, sondern konstruktiv.
Der Autor hat nun sein Buch in Frankfurt vorgestellt. Eine kleine Schar kam zum Bildervortrag in der Galerie “Kaiser & Cream” (Mainzer Landstraße) und ließ sich in die Idee einweihen. Leider fand der Vortrag nicht zwischen Gemälden, sondern im Treppenhaus nebenan statt. Statt auf Stühlen mussten die Menschen auf dem Boden oder auf Stufen sitzen. Hinzu kam noch, dass der Vortrag eine Dreiviertelstunde später anfing, als angekündigt. Klar, dass manche schon früher gingen.
In Frankfurt gibt es noch keine bekannten Guerilla-Gärtner. Andere deutsche Städte wie Berlin sind die Vorreiter. Vielleicht ist Frankfurt ja schon grün genug, vielleicht wird erst der Besuch des Autors die Aussaat für eine neue Bewegung in der Stadt bilden. Hoffentlich wird der ungünstige Start nicht das Potenzial im Keim ersticken.
http://www.guerrillagardening.org

Nach “Playing the City” geht es weiter mit der Straßenkunst in Frankfurt. “toll ffm”, ein Projekt der Künstlergruppe “spezialLabor”, ist die wohl ungewöhnlichste Galerie in der Stadt.
Die Fahrgasse ist um eine Galerie reicher. Doch der neue Ausstellungsort ist nicht in einem Laden zu finden, sondern direkt auf der Straße. Ein weißer Kasten aus Beton von etwa einem Meter Kantenlänge, mit schwarzen Ornamenten bemalt, steht auf dem Gehweg vor dem Haus Nummer 12 − ein ehemaliger Blumenkübel. Blumen findet man darin keine mehr. Stattdessen liegt auf dem Kasten nur eine Scheibe aus Plexiglas, durch die man die Ornamente auch im Inneren sehen kann. Mehr ist nicht drin: Die Kunst ist der Ausstellungsraum selbst.

Peinlich, peinlich! Der Frankfurter Anthropologe Reiner Protsch von Zieten hat gestanden. Unterschlagung und Veruntreuung, Fälschung – die Liste seiner Vergehen ist lang. Protsch hat eine Freiheitsstrafe auf Bewährung ausgehandelt. Die Anschuldigungen haben sich bestätigt – und das ist kein Wunder. Enttäuscht dürfte nur sein wahrscheinlich einziger Fanclub sein. Enttäuscht und blamiert. Die “Bürgerinitiative für Umweltschutz Eddersheim” steht jetzt doof da. Der Verein hatte Protsch ins Feld geführt, um zu beweisen, dass der 1952 im Kelsterbacher Wald gefundene Schädel aus der Steinzeit stammt und dass die Fundstätte denkmalgeschützt werden müsse. Damit wollten die übereifrigen Bürger in letzter Minute den Ausbau des Frankfurter Flughafens verhindern. Dazu haben sie sogar Protsch als Wissenschaftler rehabilitieren wollen. Der Eklat um den Professor sei ein “Wissenschaftskrimi”, eine Verschwörung gegen den armen Protsch. Klar, dass das nicht geklappt hat. Spätestens jetzt wissen alle warum. Als ich im Mai über diese Verzweiflungstat geschrieben habe, musste ich mir noch einen bösen Kommentar gefallen lassen. Nun kann ich es mir nicht verkneifen: Lieber Herr Wolf, falls es Sie interessiert: So sieht seriöse Recherche aus.
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Böse Zungen behaupten, der neu gestaltete Komplex Rossmarkt-Goetheplatz-Rathenauplatz in Frankfurt sei hässlich. Aber als öffentlicher Raum scheint er sich zu etablieren. Gestern war zumindest ziemlich viel los. Auf dem Rossmarkt feierte man Galizische Woche, auf dem Goetheplatz fand sich eine kleine Gruppe Demonstranten für Burma zusammen und auf dem Rathenauplatz standen sich ein Atheisten- und ein Christenbus gegenüber. Zum Schluss kam noch ein Preuße. Ein denkwürdiger Tag.
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Die Europawahl ist wichtig, aber sie lockt nur wenige in die Wahlkabinen. Um das zu ändern, rührt die Bundeskanzlerin die Werbetrommel. Gestern hat sie auf ihrer Tournee der Stadt Frankfurt einen Besuch abgestattet. Ein Erfahrungsbericht.

Skandal: Der Flughafenausbau soll eine Stätte der Menschheitsgeschichte zerstören – das will ein Bürgerverein aus Eddersheim entdeckt haben. Doch die Glaubwürdigkeit der «Beweise» ist dürftig.
Schlechte Aussichten für die Gegner des Flughafenausbaus: Der Wald wird gerodet, der erste Spatenstich für die neue Landebahn wird heute gesetzt. Das oberste hessische Verwaltungsgericht in Kassel sieht kaum rechtliche Chancen, die geplante Landebahn Nordwest zu verhindern. Doch der Verein «Bürgerinitiative für Umweltschutz Eddersheim» schüttelt nun ein letztes Ass aus dem Ärmel. Rettung verspricht die alte «Dame von Kelsterbach»!
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17 Uhr, Willy-Brandt-Platz. Ein junger Mann mit dunkler Haut und einer neogelben Weste sitzt auf einer steinernen Bank. “News from Home” steht auf der Weste. Neben ihm liegt ein Stapel Zeitungen. Die fremde Schrift gibt nur zu verstehen, dass die Zeitung von weit her kommt. Der Mann, der sie verkauft, heißt Delan. Zwanzig Jahre ist es her, seit er aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen ist – als Flüchtling. Nun sitzt er hier als Freiwilliger bei der Kunst-Performance von “Playing The City” und versucht Ausgaben einer Zeitung aus seiner alten Heimat für 2,50 Euro an den Mann zu bringen. “Ich habe heute noch keine einzige Zeitung verkauft,” sagt er in akzentfreiem Deutsch. Er selbst kann die Schrift der Zeitung nicht lesen. Delan glaubt nicht, dass er heute noch eine Ausgabe verkauft bekommt, bezahlt wird er für das Warten auf Kundschaft auch nicht. Delan sitzt hier für die Kunst – um die Ideen anderer zu verwirklichen. “Ich helfe, wo ich kann.” Vielleicht kommt noch jemand in den nächsten zwei Tagen. Hoffentlich haben die anderen Zeitungsverkäufer (Baseler Platz/Gutleustraße, Berliner Straße/Kurt-Schuhmacher-Straße, Mörfelder/Darmstädter Landstraße) heute mehr Glück gehabt.