Vorwort statt eines Romans
Donnerstag, 25. Februar 2010, 00:21
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Hosen runter: Nackte Tatsachen.

Lieber Leser,

nachdem ich genug gelesen und auch selbst erlebt habe, schrieb ich einen Roman. Dabei folgte ich dem ästhetischen Prinzip der Intertextualität (näheres dazu bei Julia Kristeva et al.). Um aus gegebenem Anlass der Möglichkeit eines Plagiatsvorwurfs zu entgehen, sehe ich mich genötigt, gleich im Vorfeld meine Quellen zu nennen.

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Alles echt!
Freitag, 12. Februar 2010, 13:42
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Alles echt? Alles Käse!

Der Schwachsinn geht weiter: In der Debatte um Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” hat die FAZ heute den Autor der Plagiatsvorlage herbeizitiert, einen Blogger namens “Airen”. Ein anderer Blogger, “Glam”, schiebt in der selben Ausgabe ein Manifest des Bloggens hinterher. “Echt” ist das Wort der Stunde. Eine Entgegnung.

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Tod eines Schwanzlurchs
Mittwoch, 10. Februar 2010, 12:49
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axolotl

Fraget nun wen ihr auch wollt mich werdet ihr nimmer erreichen
Schöne Damen und ihr Herren der feineren Welt!
Ob denn auch Werther gelebt? ob denn auch alles fein wahr sei?
Welche Stadt sich mit Recht Lottens der Einzigen rühmt?
Ach wie hab ich so oft die törigten Blätter verwünschet,
Die mein jugendlich Leid unter die Menschen gebracht.
Wäre Werther mein Bruder gewesen, ich hätt ihn erschlagen,
Kaum verfolgte mich so rächend sein trauriger Geist.

So klagte Goethe 1788 in seinen Römischen Elegien über den Werther-Kult seiner Zeit. Bis heute wird er von diesem Geist verfolgt, wenn immer noch “Die Leiden des jungen Werther” mit denen seines Autors verglichen werden. Und selbst die Autoren von heute bleiben nicht davon verschont, dass ihre Werke nach Autobiografischem abgegrast und als “Spiegel der Seele” betrachtet werden. In der Debatte um Helene Hegemanns Roman “Axolotl Roadkill” kann man das erneut beobachten: Die Verwechslung von Realität und Fiktion.

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Trommelwirbel
Montag, 14. September 2009, 18:21
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grass_blechtrommel

Der ewige Dreijährige wird 50: Als Oskar Matzerath im Jahr 1959 das Licht der literarischen Welt erblickte, sorgte er für Furore. Günter Grass’ Erstlingsroman schlug ein – und sein Nachbeben ist noch heute zu spüren. Zum Jubiläum hat der Steidl-Verlag das Buch nun neu aufgelegt, mit zwei Schutzumschlägen, die sowohl das Titelmotiv der Erstauflage als auch ein neues Motiv zeigen, und einem Beiheft mit Stimmen aus der 50-jährigen Rezeptionsgeschichte. Eine gebührende Feier des Buches, eine immer noch lohnende Investition für den Bibliophilen. Was macht dieses Buch nach einem halben Jahrhundert immer noch lesenswert? Ein Versuch.

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Günter Grass: Aus Lübeck nichts Neues
Sonntag, 2. August 2009, 16:55
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Günter Grass von Lukas Gedziorowski

Wie erfreulich: Die Frankfurter Rundschau hat ein Gespräch mit Günter Grass abgedruckt. Da greift man doch besonders gerne zur besten Zeitung der Welt und liest die vier Seiten, die dem Literaten gewidmet sind. Doch die Lektüre gestaltet sich ziemlich unbefriedigend. Fazit: Aus Lübeck (fast) nichts Neues.

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Von wegen Buchstadt!
Freitag, 24. April 2009, 15:29
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Verramschte Bücher

Was Frankfurt nicht alles ist! Kulturstadt, Goethestadt, Theaterstadt etc. Zur Buchmesse ist Frankfurt wieder Buchstadt – zum Welttag des Buches ist es aber mit dieser nicht weit her. Gerade mal fünf Veranstaltungen hat es gegeben. Eine Leseaktion von Schülern in einer U-Bahn, dann eine in einer Postkutsche des Museums für Kommunikation, eine Kinderbuchhandlung in der Glauburgstraße hat einen Workshop angeboten, aber mehr war in Sachen Buchtag nicht los. Keine andere Buchhandlung oder das Literaturhaus haben sich mit einer Lesung oder ähnlichem an der Aktion beteiligt. In den Buchhandlungen konnten Schüler höchstens ihre Gutscheine für das Aktionsbuch “Ich schenk dir eine Geschichte” einlösen, aber das können sie in jedem Jahr. Bis auf eine Veranstaltung zum Thema “Albert Schweitzer als Schriftsteller” in der zentralen Stadtbibliothek gingen die erwachsenen Leser leer aus. Die Veranstaltungskalender erwecken den Eindruck, als hätte man gezielt am 23. April vorbei geplant.

Ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, einer der Mitorganisatoren des Welttags des Buches, und eine Reihe von Verlagen ihren Sitz in Frankfurt haben. Selbst die traditionelle Eröffnungsveranstaltung in der Alten Oper, bei der prominente Leser ihre Lieblingslektüre vorstellen (Stichwort “Leseköpfe”), fiel in diesem Jahr aus. “Wir wollten den Buchhandel ins Zentrum rücken und haben dafür Aktionspakete zusammengestellt”, heißt die Erklärung von Börsenverein. Mit anderen Worten: Im Mittelpunkt steht das Produkt Buch, nicht die Kunst und schon gar nicht das Lesevergnügen oder der Leser. Dabei wird vergessen, dass man Buchhandlungen am besten unterstützt, indem man neue Leser wirbt. Nächstes Jahr will man die Leseköpfe vielleicht wieder neu auflegen. Mal sehen, was daraus wird.

Lobenswert war der Tag der Offenen Tür im Instituto Cervantes. Das spanische Kulturzentrum hat Kindern die Legende von Sankt Georg und ein paar Passagen aus “Don Quijote” nahe gebracht. Beide, der Heilige und der Dichter, werden in Katalonien am 23. April geehrt. In Barcelona pflegt man sich an diesem Tag Rosen und Bücher zu schenken. Die Stadt macht vor, was in Deutschland fehlt: Ein Tag der Bücher, der als solcher auch gebührend gefeiert und gelebt wird.

Zugegeben: An Lesungen mangelt es in Frankfurt nicht. Aber warum dann nicht unter dem werbewirksamen Label eines internationalen Aktionstages?



Struwwelpeter Reloaded
Samstag, 18. April 2009, 11:19
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Postkarte Heinrich-Hoffmann-Sommer

Zum 200. Geburtstag Heinrich Hoffmanns gibt es den Struwwelpeter mal anders: 12 Poskarten werben mit ziemlich schrägen Varianten der Gestalten aus dem Kinderbuch, das 1845 erstmals erschien, für den Hoffmann-Sommer in Frankfurt, der am 29. April startet. Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) haben die Reihe entworfen und bald schon sollen die Motive großformatige Plakate in Frankfurt zieren. Der Struwwelpeter tritt nackt auf und verschlingt seine überdimensionale Mähne, Paulinchens Katzen kotzen statt zu weinen, dem Daumenlutscher wachsen die Daumen zum Auge und Ohr hinaus, bei Hansguckindieluft vernkoten sich die Sehnerven zu einem Knäuel. Wie gesagt: Ziemlich abgefahren. Die Motive sind zwar Geschmackssache, aber immerhin ein Hingucker – und das ist auch der Sinn der Aktion.

Doch kaum hat man sich kreativ etwas aus dem Fenster gelehnt, gibt es wieder Protest. Die Motive der Postkarten erwecken Anstoß. So war in der FNP vom 16.4.2009 zu lesen:

Marion Herzog-Hoinkis, gemeinsam mit ihrem Mann Gründerin des «Struwwelpeter-Museums», spricht von «Unkultur» und hält die Aktion als Ehrung Hoffmanns in seiner Heimatstadt für «nicht geeignet». Die Serie sei zwar «als Experiment o. k.», leider aber «nicht sehr geistreich» und «eindeutig untauglich für Struwwelpeter-Liebhaber und Kinder»

Die Argumente sind alles andere als einleuchtend. Denn es ist höchst umstritten, ob der Struwwelpeter überhaupt für Kinder geeignet ist. Ein Buch, in dem Kinder auf alle erdenklichen Arten grausame Tode erleiden oder verstümmelt werden, scheint nicht gerade erbauliche Lektüre für zarte Gemüter zu sein. Aber so ist das nun mal mit Heinrich Hoffmanns Klassiker: Es ist ein Buch, das noch viele weitere Generationen spalten wird. Es bleibt abzuwarten, wie die Wissenschaft in ihrer Vorlesungsreihe an der Goethe-Uni das Thema neu aufarbeiten wird (ab 29.April). Die Werbeaktion der Stadt Frankfurt hat es geschafft, das Diskussionspotenzial des Struwwelpeters in die heutige Zeit zu übertragen. Wenn die Motive der Postkarten Anstoss erregen, dann haben sie ihren Zweck erfüllt.



Reinkarnation der Untoten
Montag, 30. März 2009, 00:42
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Spendet Blut für Dracula!

Als Bram Stokers Roman Dracula 1897 in England erschien, befand sich das Kino noch in den Kinderschuhen und war dementsprechend noch eine kuriose Spielerei. Doch das neue Medium trug zum Mythos von Graf Dracula enorm bei und die ersten Adaptionen bildeten wiederum Meilensteine der Filmgeschichte. Dracula und der Film gehen Hand in Hand: Der Roman gehört zu den am häufigsten verfilmten Stoffen. Und trotzdem gibt es keine einzige gute Umsetzung von ihm. Warum? Vielleicht, weil der Roman unverfilmbar ist. Wer sich gruseln will, ist jedenfalls ohne den Grafen besser bedient. Ein Gang durch die Filmgeschichte.

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Marcel Reich-Ranickis FAQ
Sonntag, 29. März 2009, 17:42
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Marcel Reich-Ranicki: Noch Fragen?

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gibt es eine Kolumne, die ich immer wieder lese, obwohl ich sie nicht ausstehen kann: “Fragen Sie Reich-Ranicki”. Das Prinzip ist einfach: Leser dürfen Marcel Reich-Ranicki eine Frage zur Literatur stellen und der Kritiker gibt seinen Senf dazu. Aber statt auf die Fragen seiner Fans einzugehen, tut Reich-Ranicki das, was er schon immer getan hat: Er gibt den mürrischen Despoten, der seinen Lesern unmissverständlich klar macht, dass ihm das alles zu dumm ist. Die Frage, die sich mir stellt ist: Warum gibt es diese Rubrik überhaupt?

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Achtung: Trittbrettfahrer!
Freitag, 20. März 2009, 18:51
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Immer diese Trittbrettfahrer! (Szene aus dem Film "Falsches Spiel mit Roger Rabbit")

Es ist doch immer wieder dasselbe: Wer selbst nichts kann, der äfft eben andere nach oder versucht, von anderen zu profitieren. Menschen springen auf einen fahrenden Zug auf, ohne zu bezahlen. Ob im Straßenverkehr, in der Kriminalität oder in der Wirtschaft: Trittbrettfahrer sind überall. Auch die Kultur ist vor ihnen nicht sicher. Ein Versuch über ein widerwärtiges Verhalten.

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