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Richard Reynolds ist ein Guerilla-Kämpfer. Nicht etwa im Sinne Che Guevaras: Reynolds kämpft nur im Großstadtdschungel und er tötet keine Menschen. Ganz im Gegenteil: Er schafft neues Leben. Aber er tut dies im Hinterhalt, versteckt, bei Nacht. Richard Reynolds ist Guerilla-Gärtner. Seit fünf Jahren macht er London unsicher, indem er brachliegende Plätze bepflanzt.
Reynolds, Jahrgang 1977, ist bei weitem nicht der erste seiner Art. Die Guerilla-Gardening-Bewegung stammt aus dem Jahr 1973. Damals haben einige New Yorker beschlossen, dass ihre krisengebeutelte Stadt schöner werden müsse. Also begannen sie, einige Brachen in Eigeninitiative zu Gärten umzugestalten. Das ist zwar ganz hübsch geworden und wurde eine Zeit lang geduldet, aber in den 80er Jahren, als die Stadt wieder an Ansehen zu gewinnen begann, plattgemacht. Seitdem kämpft die Bewegung weiter für die autonome Begrünung öffentlicher Plätze. Und sie expandiert in alle Welt.
Richard Reynolds ist der prominenteste der Kleinkrieggärtner. Nicht zuletzt durch seine Homepage guerrillagardening.org. Nun hat er ein Buch geschrieben: “Guerilla Gardening – Ein botanisches Manifest” (Orange Press, 20 Euro). Darin beschreibt er die Grundzüge der Bewegung und bietet ein Handbuch für alle, die beim Freigärtnern mitmachen möchten. Dabei zeigt sich, dass Guerilla-Gärtner sehr kreativ sind wenn es darum geht, fremde Flächen zu bepflanzen. Die einfachste und schnellste Methode ist, sogenannte “Seed-Bombs” zu werfen. Ein Häufchen Erde mit ein paar Samen darin reicht, um es an einem beliebigen Ort sprießen zu lassen. Friedlicher, ökologischer und nachhaltiger kann man sich den Guerilla-Kampf nicht vorstellen. Erobert wird die Stadt, der öffentliche Raum, ganz ohne Sitzblockaden, Krawall und Randale, sondern konstruktiv.
Der Autor hat nun sein Buch in Frankfurt vorgestellt. Eine kleine Schar kam zum Bildervortrag in der Galerie “Kaiser & Cream” (Mainzer Landstraße) und ließ sich in die Idee einweihen. Leider fand der Vortrag nicht zwischen Gemälden, sondern im Treppenhaus nebenan statt. Statt auf Stühlen mussten die Menschen auf dem Boden oder auf Stufen sitzen. Hinzu kam noch, dass der Vortrag eine Dreiviertelstunde später anfing, als angekündigt. Klar, dass manche schon früher gingen.
In Frankfurt gibt es noch keine bekannten Guerilla-Gärtner. Andere deutsche Städte wie Berlin sind die Vorreiter. Vielleicht ist Frankfurt ja schon grün genug, vielleicht wird erst der Besuch des Autors die Aussaat für eine neue Bewegung in der Stadt bilden. Hoffentlich wird der ungünstige Start nicht das Potenzial im Keim ersticken.
http://www.guerrillagardening.org