
Endlich ist sie wieder da: Die Premieren-Fassung von Metropolis! Die “Special Extended Edition”, der “Director’s Cut”, “Metropolis Naked” oder einfach nur “Das Original” – aber leider immer noch ohne Ton, Farbe, Computereffekte und 3D. Dafür “digital remastered” und eine halbe Stunde länger. Das heißt: Noch langatmiger, noch pathetischer, noch sentimentaler. Gestern Abend feierte er nach über 80 Jahren seine zweite Premiere. Die Zuschauer wurden Zeugen eines Stücks Filmgeschichte.
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Während die Hysterie um James Camerons Avatar um sich greift, ist nun ein Film in die Kinos gekommen, der sich des Themas “künstliche Identität” ernsthafter annimmt: Surrogates – Mein zweites Ich. Eine Gegenüberstellung von Utopie und Dystopie.

Die Animationsschmiede Pixar hat wieder einmal Wunderbares vollbracht: Im Film “Oben” wird nicht nur die Schwerkraft überwunden, sondern auch der Generationenkonflikt. Jugend und Alter finden zusammen über den Wunsch nach Abenteuern. Trotzdem ist “Oben” nicht der bislang beste Pixar-Film.
Klingt das nach einem Plot für Kinder? Ein alter Mann verliert seine Frau und beschließt, versäumtes nachzuholen und auf Reisen zu gehen. Was zunächst an den Film “About Schmidt” erinnert, stammt aus dem Familienfilm “Oben”. Wieder einmal überschreitet Pixar geschickt die klassischen Regeln des Disney-Films: Der Junge Carl Fredericksen, ein begeisterter Abenteurer im Alltag, wird gleich zu Beginn mit Zeitraffer zum Greis gemacht und dieser Greis zum Helden erklärt. Man sieht, wie sein Leben vorbeizieht: Er heiratet, die Ehe bleibt glücklich, aber kinderlos und schließlich stirbt die Frau, der Held bleibt als alter Mann allein. Als er auch noch in ein Altenheim gebracht werden soll, beschließt Carl sein altes Versprechen aus der Kindheit einzulösen (und auch, weil ihn das Altenheim erwartet): Der Opa bindet hunderte Luftballons an sein Haus, hebt ab und tritt eine Reise zu den Paradiesfällen an, einem idyllischen Ort in Südamerika.

In Südafrika wurde die Apartheid wieder eingeführt. Nunmehr werden nicht mehr weiße und schwarze Menschen voneinander getrennt, sondern Menschen und Außerirdische. Das ist das Szenario des Films “District 9″, welcher mehr ist als Science-Ficton, nämlich eine Parabel auf die Menschheit.

Mythos Woodstock: Vor 40 Jahren fanden sich 400.000 Menschen zusammen, um drei Tage lang Liebe, Frieden und Musik zu genießen. Der Plan ging auf, auch wenn an diesem Festival so gut wie nichts nach Plan lief. Dank übereifriger Musikverleger kann man sich den Musik-Dokumentarfilm nun auf vier DVDs ansehen und einen noch besseren Eindruck von dem bekommen, was man verpasst hat, weil man das Pech hat, zur falschen Zeit am falschen Ort geboren worden zu sein. Im Kino bietet der Regisseur Ang Lee (Brokeback Mountain) nun seine Version der Geschichte an, den Spielfilm “Taking Woodstock”, der die Memoiren von Elliot Tiber adaptiert, einer der Organisatoren des Festivals. Doch es ist besser, sich die DVD der Doku zu kaufen, als eine Kinokarte.

Polnische Filme sieht man in deutschen Kinos leider selten. Nun hat es ein Kleinod über die westliche Grenze geschafft – zwei Jahre später, aber immerhin. “Kleine Tricks” (”Sztuczki”) heißt der Film von Andrzej Jakimowski und ist selbst so bescheiden wie sein Titel. Doch diese kleinen Tricks haben eine große Wirkung.
Der Held ist ein Schelm. Doch er hat keine Flausen im Kopf, vielmehr ist er ein ahnungsloser, naiver Schuljunge, der mit seinem Idealismus an der Gesellschaft aneckt. Der kleine Stefek lebt in einer polnischen Kleinstadt, die so aussieht, als hätte man nach dem Zweiten Weltkrieg nur die Trümmer weggeräumt. Er wohnt zusammen mit seiner Mutter, die einen kleinen Laden betreibt und seiner älteren Schwester, die Italienisch lernt, um eine Stelle zu bekommen. In dieser Umgebung sucht sich der Einzelgänger Stefek seine Nischen. Nachdenklich spaziert er gerne auf den Gleisen herum, stellt Zinnsoldaten zwischen den Schienen auf und wartet darauf was passiert, wenn der Zug darüber hinweg fährt. Stefek versucht, Zuchttauben mit einem Fingerschnippen zum Fliegen zu bringen, er philosophiert über das Glück und das Schicksal. Dann taucht plötzlich ein Mann am Bahnsteig auf, der seinem fortgelaufenem Vater sehr ähnlich sieht und der kleine Schelm geht der Sache auf den Grund.
Viel mehr passiert nicht in “Kleine Tricks”. Und mehr muss auch nicht passieren. Der Film lebt von seinen Bildern und den Einstellungen, in denen nicht gesprochen wird. Lebensnah führt er den Alltag von einfachen Menschen vor, ohne soziale Missstände anzuprangern oder sich darüber lustig zu machen. Das Familiendrama spielt sich im Inneren der Figuren ab, sie tragen ihre Konflikte nicht nach Außen. Der Held ist ein Schelm, weil er witzig ist – witzig im ursprünglichen Sinn: Gewitzt und daher komisch in den Situationen, die er verursacht. “Kleine Tricks” ist ein ruhiger Film, der sich Zeit lässt für das Nebensächliche und damit trifft er stets die Hauptsache.
Fazit: Ein schöner Film zum Wohlfühlen. Eine Einladung zum polnischen Kino.


Eigentlich ist eine Rezension des sechsten Harry-Potter-Films überflüssig. Die Liebhaber werden ohnehin reingehen und den Film genießen, die Hasser werden zu Hause bleiben und durch diesen Film auch nicht bekehrt werden können. Auch Quereinsteigern wird eine Rezension nichts nützen, denn für sie ist der Film nicht zu empfehlen, da bei Harry Potter grundsätzlich gilt: Von Anfang an oder gar nicht. Die Filme werden zunehmend voraussetzungsreicher.
Und trotzdem kann es interessant sein, wenn beide Lager, die Fans und die Ignoranten ihre Vorurteile hinterfragen. Denn beide sollten gewarnt sein vor falschen Erwartungen. Allen, die Harry Potter für Kinderkram halten, sei gesagt: Hier ist schon lange Schluss mit lustig. Die Nicht-Leser, aber Freunde der Filmreihe sollten wissen: Man darf nicht zu viel erwarten. Vor allem nicht zu viel Story.

Steven Soderbergh hat Che Guevaras Leben verfilmt. Wird die Ikone dadurch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt? Kommen jetzt die ganzen Träger von Che-Shirts und Buttons zur Vernunft, wenn sie die Wahrheit über ihren vermeintlichen Helden erfahren? Nein! Angeblich macht der Film Schluss mit dem Mythos Che, doch es wäre schon viel gewonnen, wenn er überhaupt etwas richtig angehen würde.
Stattdessen hält er sich von allem so fern, dass die Handlung einen kalt lässt. Statt Anteilnahme gibt es nur Langeweile. Eine zusammenhanglose Aneinanderstückelung von Erzählelementen, die ständig in den Zeiten herumspringt, schafft den Rahmen für nichtssagende, statische Bilder aus dem kubanischen Dschungelcamp. Che sitzt herum, Che sagt etwas Schlaues über seine Philosophie, Che mal hart, mal sanft, Che kämpft im Krieg – das alles wird so distanziert (und uninspiriert) dargestellt, dass man sich fragt: Na und? Entweder gibt der Stoff nicht viel für einen Film her (was unwahrscheinlich ist) oder Regisseur Soderbergh hat einfach nur versagt. Ärgerlich sind auch die grobkörnigen Bilder bei Zeitsprüngen, dazu Schwarzweißbilder mit unruhiger Handkamera bei post-revolutionären Darstellungen – Stilmittel, die ausdrücken: Seht, dies ist ein Kunstfilm! Nein, dieser Film ist ein Machwerk. Über die auf den Plakaten angepriesene Geschichte des Che erfährt man nicht viel: Motive und Hintergründe werden ausgespart, alles andere nur fragmentarisch angedeutet. Schon seltsam, wenn eine Revolution kein Interesse weckt. Man ist am Ende froh, wenn sie endlich vorbei ist. Wer braucht einen solchen Film? Niemand.
Fazit: Che – Revolución ist der ein erster Teil, der keinen zweiten braucht. Besser ist, man bleibt bei The Motorcycle Diaries (dt. Die Reise des jungen Che). Ches Jugend wird wesentlich fesselnder dargestellt, als die Jahre, die ihn berühmt machten. Eine vertane Chance.

Was haben nur alle gegen den neuen Terminator-Film? Sowohl FAZ/FAS als auch Franfkurter Rundschau haben Terminator – Die Erlösung verrissen. Dabei ist der Film nichts weiter als spektakuläre Action vor finsterer Kulisse. Das war schon in den anderen Filmen so, nur dass diesmal die Handlung in der Zukunft spielt. Wo liegt also das Problem? Eine Verteidigung gegen die Kritiker.

Der Regisseur Jim Jarmusch schickt nach Broken Flowers erneut einen einsamen Mann auf Odyssee. In The Limits of Control geht die Reise durch Spanien. Der Film führt vor allem seine eigenen Grenzen vor – und die sind eng gezogen.
Den passendsten (und leider nicht verwendeten) Song für den Film haben die Beatles geschrieben. Darin heißt es: “He’s a real nowhere man, sitting in his nowhere land, making all his nowhere plans for nobody.” Der Niemand trägt Anzug, zieht durch das Niemandsland Spanien und erledigt etwas. In Jim Jarmuschs “The Limits of Control” passiert nicht viel, es wird kaum gesprochen, es gibt keine Erklärungen. Müsste man den Inhalt twitterkonform zusammenfassen, so könnte man sagen: “Ein Mann führt einen Auftrag aus.”