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Es ist doch immer wieder dasselbe: Wer selbst nichts kann, der äfft eben andere nach oder versucht, von anderen zu profitieren. Menschen springen auf einen fahrenden Zug auf, ohne zu bezahlen. Ob im Straßenverkehr, in der Kriminalität oder in der Wirtschaft: Trittbrettfahrer sind überall. Auch die Kultur ist vor ihnen nicht sicher. Ein Versuch über ein widerwärtiges Verhalten.
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Es grassiert in dieser unserer Zeit (von der man sagt, dass es die letzte sei) unter den Benutzern des weltweiten Zwischennetzes eine Mode, die vernetzte Welt an den Nichtigkeiten des Lebens teilhaben zu lassen, in der Hoffnung, wenn nicht die Warholschen 15 Minuten Berühmtheit, so doch zumindest für einen Augenblick Aufmerksamkeit und vielleicht auch eine Spur des Wohlwollens zu erhaschen, sei es mit Anekdoten, Wiedergekautem oder Meinungen zu Wohlbekanntem. Vor allem letzteres ist mindestens in ebendem Maße vorhanden, wie die Nachfrage danach – ein kostenloses Überangebot für ein unersättliches Publikum. Der sich aufgeklärt wähnende Mensch des Abendlandes stellt den Austritt aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit unter Beweis, indem er seine Meinung zu diesem oder jenem kundtut, denn wenn er schon nichts Neues oder Interessantes zu erzählen hat, dann hat er zumindest einen Standpunkt zu irgendetwas. Einen Standpunkt hat jeder – sei es eine reflektierte Anschauung, eine Ideologie oder ein Vorurteil. Und wer sich seiner Meinung unsicher ist oder noch keine haben sollte, der kann aus dem reichen Fundus schöpfen, den Blogger und ihre Kommentatoren für lesenswert halten. Es herrscht Selbstbedienung im Dienstleistungssektor der Meinungsbildung.
Und nun, da in der Zeit, in der ich die bisherigen Zeilen geschrieben habe, hundert weitere elektronische Tagebücher gegründet und tausend Beiträge publiziert wurden, trage auch ich zum Überfluss des Datenstroms bei, speise auch ich meine Sicht der Dinge ein und hoffe auf mit Aufmerksamkeit zahlende Kundschaft. Die Aufmerksamkeit soll weniger meiner Person als meinen Worten gelten. Ich habe keine Intimitäten anzubieten und bin bemüht, die Zweitverwertung von Fremdmaterial in Grenzen zu halten. Was ich anbiete, sind kritische Kommentare zum Zeitgeschehen, Denkimpulse und im besten Fall sogar ein paar Neuigkeiten aus dem Leben jenseits meiner unmittelbaren Außenwelt um die Neugier der Leser zu befriedigen, die in der Tradition des biblischen Sündenfalls stehen: Denn Neugier steht am Anfang jeder Entwicklung. Also entwickeln wir uns. In diesem progressiven Sinne: Viva curiositas!
The Luke